App zum Reaktions-Check:

Gehirnerschütterungen im Sport müssen “schnell erkannt und ernst genommen werden”

Bonn (ots) ZNS – Hannelore Kohl Stiftung bietet kostenlose Erweiterung der Gehirn-Erschütterungs-Test-App (GET-App) für Mannschaftssportarten an.

Pressekonferenz zur Vorstellung der GET-App am 27.02.2020 in Berlin. Podium (v.l.): Dr. Axel Gänsslen, Natalie Kühn, Prof. Dr. Peter Vajkoczy, Sven Felski, André Rankel, Jörg von Ameln. Moderation: Helga Lüngen
Quellenangabe: “obs/ZNS – Hannelore Kohl Stiftung/Monique Wüstenhagen”

Die Gefahr besteht im Fußball und Eishockey ebenso wie im Handball, American Football oder Basketball: In all den beliebten Mannschaftssportarten erleiden die Spieler*innen hin und wieder eine Gehirnerschütterung. Oft wird die Verletzung unterschätzt, obwohl eine nicht erkannte Gehirnerschütterung lebenslange gesundheitliche Folgen haben kann. Die ZNS – Hannelore Kohl Stiftung hat nun die 2016 veröffentlichte Gehirn-Erschütterungs-Test-App (kurz: GET-App) weiterentwickelt. Die App ist kostenlos und unterstützt Vereine bei der Früherkennung von Gehirnerschütterungen.

Die neue Trainerversion der GET-App, die am Donnerstag in Berlin-Hohenschönhausen vorgestellt wurde, richtet sich gezielt an Trainer*innen und Betreuer*innen im Mannschaftssport – auch und gerade im Breiten- und Jugendsport. Die Erweiterung erlaubt es erstmals, Baseline-Werte für ein gesamtes Team zu speichern, um im Notfall sofort darauf zurückgreifen und Veränderungen erkennen zu können (Baseline = Ruhewert, der vor der Saison erhoben wird).

“Seitdem wir die GET-App veröffentlicht haben, wurde aus dem Kreis der Trainerinnen und Trainer wiederholt der Wunsch geäußert, die Einzelnutzung auf Mannschaften auszuweiten”, sagt Helga Lüngen, Geschäftsführerin der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung. “Wenn so eine Anregung von der Basis kommt, ist sie für uns Auftrag und Verpflichtung zugleich.”

Unter Mitarbeit von Dr. Axel Gänsslen, der zu den Initiatoren der Kampagne ‘Schütz deinen Kopf’ gehört, wurde die App entsprechend weiterentwickelt. “Das Ziel der App ist es, dass wir auch einem Nicht-Mediziner ermöglichen, festzustellen, ob es eine Gehirnerschütterung sein könnte”, erklärt der Unfallchirurg. Im integrierten Notfalltest werden die Symptome innerhalb von wenigen Minuten abgefragt, ergänzt durch einen Reaktions- und Gleichgewichtstest.

Als Mannschaftsarzt des Eishockey-Erstligisten Grizzlys Wolfsburg hat Gänsslen immer wieder mit Gehirnerschütterungen zu tun. “Das Problem, das wir im Sport haben: Der Spieler will weiterspielen”, weiß der Mediziner und unterstreicht: “Wenn der Verdacht einer Gehirnerschütterung besteht, müssen wir die Spieler vor sich selbst – und den Ansprüchen des Umfelds – schützen.”

Welche Auswirkungen eine Gehirnerschütterung haben kann, weiß André Rankel aus eigener Erfahrung. Der Kapitän der Eisbären Berlin erlitt in seiner Karriere mehrfach Kopfverletzungen und fiel länger aus. “Die Gesundheit muss immer an erster Stelle stehen”, fordert der 34-Jährige. “Es ist wirklich wichtig, dass Ärzte, Physiotherapeuten und Trainer den Sportler beschützen und ihm helfen, eine Lösung zu finden. Eine Gehirnerschütterung ist eine gefährliche Verletzung.”

Eishockey-Spieler Rankel hält die GET-App daher ebenso wie Basketballer Johannes Thiemann für sinnvoll. “Man will sein Team einfach nicht im Stich lassen und deshalb weiterspielen”, sagt der Center von Pokalsieger ALBA Berlin. “Wenn man jedoch nicht weiß, ob man eine Gehirnerschütterung hat oder nicht, ist das gefährlich und nicht gesund. Daher ist es extrem gut, wenn die App als Indikator dienen kann.”

Im November 2019 zog sich Thiemann in der EuroLeague eine Gehirnerschütterung zu, der Nationalspieler fiel wochenlang aus. “Ich habe die Gehirnerschütterung ein bisschen unterschätzt”, gesteht der 26-Jährige rückblickend ein. “Ich dachte, dass ich nach ein paar Tagen wieder spielen kann, aber es ist anders gekommen. Der Heilungsverlauf hat mir gezeigt, dass eine Gehirnerschütterung eine deutlich ernstere Verletzung ist als ich vorher angenommen hatte.”

Mit der GET-App will die ZNS – Hannelore Kohl Stiftung die notwendige Früherkennung erleichtern. “Das Handling ist sehr einfach und ohne großen Aufwand am Spielfeldrand möglich”, wirbt Lüngen. Sie betont: “Gehirnerschütterungen müssen schnell erkannt und ernst genommen werden.” Das fordert auch Prof. Dr. Peter Vajkoczy. “Eine Gehirnerschütterung wird gerne verharmlost. Umso wichtiger ist es, eine Sensibilisierung für dieses unterschätzte Krankheitsbild zu erreichen.”

Gerade im Breitensport sowie im Kinder- und Jugendbereich sei es jedoch, warnt der Direktor der Klinik für Neurochirurgie an der Berliner Charité, “noch sehr viel wahrscheinlicher als im Profisport, eine Gehirnerschütterung zu übersehen.” Er betont jedoch ebenso wie Medizinerkollege Gänsslen: “Die App ist ein Hinweisinstrument, kein Diagnoseinstrument.” Bestätigt die GET-App den Verdacht auf ein Schädel-Hirn-Trauma, sei sofort ein Arzt aufzusuchen.

Neben der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung setzten sich die Willy Robert Pitzer Stiftung und die gesetzliche Unfallversicherung VBG für die Weiterentwicklung der GET-App ein. “Als Partnerin des Sports ist die VBG bestrebt, Sportlerinnen und Sportler bei der Gesunderhaltung bestmöglich zu unterstützen”, sagt Norbert Moser, Koordinator Präventionsfeld Sport der VBG. Die GET-App steht sowohl für iOS- als auch für Android-Geräte zur Verfügung.

www.hannelore-kohl-stiftung.de
www.schuetzdeinenkopf.de

DAS HISTORISCH-TECHNISCHE MUSEUM PEENEMÜNDE

Die Heeresversuchsanstalt Peenemünde war zwischen 1936 und 1945 eines der modernsten Technologiezentren der Welt. Im Oktober 1942 gelang von hier aus der weltweit erste Start einer Rakete ins All.

In der benachbarten Erprobungsstelle der Luftwaffe wurden Flugkörper mit revolutionärer Technik getestet.

Die Forschung diente jedoch von Beginn an nur einem Ziel: Hochtechnologie sollte militärische Überlegenheit schaffen. Nur durch den massiven Einsatz von Zwangsarbeitern, KZ-Häftlingen und Kriegsgefangenen war die Errichtung der Versuchsanstalten und die spätere Massenproduktion der Rakete, welche die Propaganda zynisch “Vergeltungswaffe 2” nannte, in so kurzer Zeit möglich.

Bei der Produktion unter unmenschlichen Bedingungen und beim Beschuss belgischer, englischer und französischer Städte mit der “Wunderwaffe” verloren tausende Menschen ihr Leben. Die Ambivalenz der Nutzung modernster Technologie wird in Peenemünde deutlich wie an kaum einem anderen Ort. Zusammen mit der historischen Entwicklung bildet sie den Schwerpunkt der Ausstellung des Historisch-Technischen Museums Peenemünde, die im Kraftwerk der ehemaligen Heeresversuchsanstalt -dem größten technischen Denkmal Mecklenburg-Vorpommerns -zu besichtigen ist.

Historisch-Technisches Museum Peenemünde GmbH
Im Kraftwerk, 17449 Peenemünde Telefon: +49 38371 505 0Telefax: +49 38371 505 111 E-Mail: htm@peenemuende.de

Museum-Peenemuende.de

Einmal Wald, immer Wald

Gelebte Inklusion auf dem Arbeitsmarkt im Nationalpark-Jugendwaldheim Brunnenbachsmühle bei Braunlage

Ab dem 1. März 2020 arbeitet Robin Hintze nach einigen Probeeinsätzen und zwei Praktika auf einem Arbeitsplatz außerhalb der Lebenshilfe-Werkstatt in der Nationalpark-Jugendwaldheim Brunnenbachsmühle.

Für den 21-jährigen Hohegeißer ändert sich am Arbeitsalltag dabei nichts, denn schon längst ist er fester Bestandteil des Waldarbeiterteams.

Auf die Frage hin, wie viele Mitarbeiter die Brunnenbachsmühle hat, zählt das Team auf: „Sechs Waldarbeiter, zwei Hauswirtschafterinnen, eine FÖJ-lerin, einen Leiter und einen Robin!“ Der blonde Robin Hintze strahlt über das ganze Gesicht, seine Kollegen lachen, alle sprudeln vor Anekdoten aus dem gemeinsamen Arbeitsalltag: So sieht gelebte Inklusion aus!

Seit mittlerweile zwei Jahren hat Robin die Arbeit des forstwirtschaftlichen Helfers in Praktika kennengelernt. „Ich helfe beim Bäumepflanzen, beim Gewächshausgießen und auch bei der Betreuung der Schülergruppen. Mir macht hier alles Spaß“, zieht Robin Hintze sein Zwischenfazit. Von Anfang an war er fleißig, hilfsbereit und brachte eine gewisse Pfiffigkeit mit. „Robin weiß immer, wo etwas liegt und welcher Schlüssel in ein Schloss passt und Schlüssel haben wir viele“, sagt Stephanie Klinge, Forstwirtin der Brunnenbachsmühle. Alle begegnen sich auf Augenhöhe, das Team ergänzt und unterstützt sich. In den Pausen setzen sich seine Kollegen mit Robin an den Tisch und üben mit ihm Lesen und Rechnen, zwei Dinge die ihm aufgrund seiner Beeinträchtigung schwer fallen.

Damit er seiner Wunscharbeit nachgehen kann, unterstützt ihn die Lebenshilfe Goslar. „Wir stehen Robin Hintze beratend im Arbeitsalltag zur Seite, haben mit ihm einen Motorkettensägen-Lehrgang gemacht und für die Beförderung mit dem Taxi gesorgt, da die Busverbindungen morgens sehr schlecht sind“, berichtet Daniela Schmidt, eine von vier Arbeitsbegleitern bei der Lebenshilfe Goslar. Derzeit ist Robin dabei den Rollerführerschein zu machen, um künftig ohne Taxibeförderung zur Arbeit zu kommen. Auch hierbei erhältt er Unterstützung durch die Lebenshilfe und seine Arbeitskollegen.

Anfängliche Bedenken, ob die Zusammenarbeit funktionieren wird, waren da, haben sich aber schnell zerschlagen. „Wir haben den Schritt nicht bereut. Robin ist für das Team eine echte Bereicherung“, so Thomas Schwerdt, Leiter des Jugendwaldheims. „Er wird von den Schülern, die uns hier besuchen, respektiert und als vollwertiger Mitarbeiter wahrgenommen.“

Während der Wintermonate gibt es im Wald weniger zu tun, dann arbeitet Robin Hintze in der Holzverarbeitung der Lebenshilfe Goslar. Für ihn nur eine Übergangslösung, denn er liebt die Arbeit unter freiem Himmel. Seine Wünsche für die Zukunft: „Den Rollerführerschein machen und weiter in der Brunnenbachsmühle bleiben.“

Robin Hintze und das Jugendwaldheim Brunnenbachsmühle sind ein gutes Beispiel dafür, wie Inklusion auf dem Arbeitsmarkt funktionieren kann. Die Lebenshilfe unterstützt Arbeitgeber bei der Suche nach einem passenden Mitarbeiter mit Beeinträchtigung und begleitet den gemeinsamen Arbeitsalltag so weit wie nötig. Weitere Informationen dazu finden Sie unter www.nds-inklusiv.de.