Welttag der Ozeane: Meeresschutzoffensive noch in diesem Jahr nötig

Berlin/Bremen/Kiel. Zum Tag der Ozeane am Montag fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eine Meeresschutzoffensive noch in diesem Jahr. Denn trotz zahlreicher Maßnahmenpaketen für einen starken Meeresschutz findet sich deren Umsetzung und Berücksichtigung bislang kaum in politischen Realitäten wieder.

Unsere Meere sind in Gefahr. Quelle: W. Wichmann

„Der Zerstörung unserer Meere muss jetzt durch gezielten politischen Einsatz entgegengewirkt werden“, sagt Nadja Ziebarth, Leiterin des BUND-Meeresschutzbüros in Bremen. „Die deutsche Bundesregierung muss 2020 endlich die für den Erhalt unserer Meere wichtigen Entscheidungen treffen und bereits beschlossene Maßnahmen konsequent umsetzen. Wir haben ein Umsetzungsdefizit, kein Defizit an Maßnahmenvorschlägen. Gesunde Meere sind als essentielle Grundlage unser aller Lebensqualität untrennbar mit den Bereichen Klima, Biodiversität, Wirtschaft und Gesellschaft verbunden.“

Ganz konkret kann die Bundesregierung den Meeresschutz in den nächsten zwei Jahren voranbringen: Im Rahmen der Helsinki-Konvention für den Schutz der Ostsee (HELCOM) wird derzeit der Ostsee-Aktionsplan (Baltic Sea Action Plan, kurz: BSAP) aktualisiert. Der Aktionsplan sollte als Muster für die Bereitschaft der Anrainerländer und der Europäischen Union zur Zusammenarbeit und zur Steigerung ihres Engagements in der Ostsee gelten. „Dreizehn Jahre nach Inkraftsetzung müssen die unterzeichnenden Staaten allerdings konstatieren, dass der Ostsee-Aktionsplan seine bis 2021 gesetzten Ziele für eine gesunde Ostsee verfehlen wird“, so Ziebarth.

„Mit Übernahme des HELCOM-Vorsitzes zum 9. Juli 2020 kann Deutschland durch starke politische Signale eine Führungsrolle unter den Ostseeanrainerstaaten einnehmen“, fordert Ziebarth weiter. „Deutschland kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Verpflichtungen in konkrete und messbare Taten für die kommende BSAP-Periode umgesetzt werden.“

Meere bedecken rund 70 Prozent der Erdoberfläche und ihre Ökosysteme beherbergen eine faszinierende und vielfältige Artenvielfalt. Sie produzieren die Hälfte des Sauerstoffs, den wir atmen. Und sie haben seit 1970 bis zu 30 Prozent des vom Menschen emittierten Kohlenstoffdioxids und 90 Prozent der aus der Klimakrise resultierenden Wärme absorbiert. Für hunderte Millionen Menschen weltweit haben die Meere eine entscheidende soziale und ökonomische Bedeutung.

Ziebarth: „Insbesondere für ärmere Küstengemeinden, deren Existenz- und Ernährungssicherheit auf den natürlichen marinen Ressourcen fußt, sind intakte Meeresökosysteme lebensnotwendig. Letztlich sind alle Menschen direkt oder indirekt von der Gesundheit der Meere abhängig.“

Demgegenüber führen menschliche Aktivitäten durch Ausbeutung und Verschmutzung zu Klima- und Biodiversitätskrisen mit enormen Auswirkungen auf die Meeresökosysteme. Dies wurde jüngst durch die Berichte des Weltklimarats (IPCC) und Weltbiodiversitätsrats (IPBES) bescheinigt. Unsere Meere werden wärmer, saurer, sauerstoff- und artenärmer. Infolgedessen nehmen Ökosystemleistungen, Bestände und Produktivität in den Meeren fortlaufend und in dramatischer Art und Weise ab.

Der BUND fordert zum Welttag der Ozeane am 8. Juni:

- Meere schützen und nachhaltig nutzen
- Meere in der Klimakrise stärken
- Schutz der Hohen See und der Tiefsee muss sichergestellt werden
- Menschen und Meere ins Zentrum globaler nachhaltiger Entwicklung
- Effektive Meerespolitik erfordert starke institutionelle Strukturen 

Hintergrund:

Das gesamte Kernforderungspapier, das in einer Allianz vieler Verbände vorgelegt wurde finden sie hier: www.bund.net/meere/meerespolitik